Kommode weiß – Shabby Chic selber machen mit Kreidefarbe

Ich habe vor wenigen Wochen ein weiteres DIY-Projekt beendet: Eine alte Kommode aus Holz weiß streichen und mit Shabby Chic Look veredeln. Zum Einsatz kam Kreidefarbe von Amazona! Lange wollte ich das ausprobieren und euch einen Erfahrungsbericht präsentieren. Jetzt ist er fertig und ihr könnt euch ein Bild von der Vorgehensweise machen. Viel Spaß beim Stöbern : )

Seit drei Jahren habe ich hier einen Topf Kreidefarbe stehen, die darauf wartet benutzt zu werden. Mitte Januar 2018 konnte ich dann endlich durchstarten. Wahnsinn, wie die Zeit vergangen ist. Kann mich noch genau erinnern, wie ich die Farbe bestellt habe, aber dann kam alles anders und es waren mal wieder tausend andere Dinge wichtiger. Ihr kennt das sicherlich ; )

Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich meine alte Kommode nun endlich umgestalten konnte. Wenn man mehrere Jahre ein Projekt vor Augen und eine genaue Vorstellung davon hat, wie das Ganze am Ende aussehen wird, kribbelt es irgendwann in den Fingern und es muss einfach losgehen!

Für den optimalen Vorher-Nachher-Vergleich zunächst ein paar Schnappschüsse von der Kommode im Originalzustand:

Vintage Kommode weiß – Farbauswahl

Kreidefarbe will ich schon seit Ewigkeiten ausprobieren. Jetzt hatte ich Anfang des Jahres endlich Zeit das Produkt von Amazona  zu testen. Ich habe einige Stunden recherchiert, bis ich endlich das Passende gefunden hatte. Überzeugt hat mich diese Farbe wegen folgender Eigenschaften:

  • matte, pudrige Oberfläche
  • Farbe: Weiß (Blanc-de-Blanc)
  • gebrauchsfertig
  • mit Pinsel oder Farbroller aufzutragen
  • hohe,  gleichmäßige Deckkraft
  • 100 % ökologisch
  • mineralische Inhaltsstoffe
  • keine Lösungsmittel oder Weichmacher
  • angenehmer Geruch
  • mit Wasser verdünnbar
  • Verbrauch ca. 8 qm/l
  • ergiebig

Ich habe für meine Kommode einen Farbeimer mit 0,75 Liter gekauft. Kostenpunkt: ca. 35 Euro. Als ich fertig war (2 Anstriche) war fast noch 1 Drittel übrig.

Nach meinen Erfahrungen mit der Kommode würde ich das Produkt jederzeit wieder kaufen und kann guten Gewissens eine Kaufempfehlung aussprechen. Die Farbe hat sich wunderbar angenehm verstreichen lassen und das Ergebnis wurde meiner Meinung nach wunderschön. Man muss lediglich aufpassen, dass man möglichst zügig arbeitet. Denn die Kreidefarbe trocknet sehr schnell. Wer hier schläft, riskiert Rotznasen und Streifen. Aber bei konzentrierter Vorgehensweise ist das überhaupt kein Thema. Das ist mir einfach aufgefallen. Und falls einem die Konsistenz zu dickflüssig ist, kann man das Material beliebig verdünnen. Ich habe in der Zwischenzeit auch kleinere Sachen aus unbehandeltem Holz mit den Farbresten gestrichen und weil ich hier ein nicht deckendes Ergebnis haben wollte, habe ich Wasser untergemischt. Ergebnis ebenfalls tipp topp!

Die Farbe ist online erhältlich:

(wenn ihr das Produkt über mich bestellt, erhalte ich eine kleine Provision, die ich wiederum in wohncore.de investieren kann. Der Preis bleibt für euch selbstverständlich gleich. Ich danke euch für eure Unterstützung)

Nun gut, genug gequatscht. Legen wir los mit der Schritt-für-Schritt-Anleitung!

Schritt 1 – Kommode reinigen, schleifen und vorbereiten

Vor dem Schleifen und Reinigen, habe ich sämtliche Möbelknöpfe abgeschraubt und die Scharniere abgeklebt. Außerdem musste ich eine Schublade wieder in Schuss bringen. Die war mittig gebrochen und die Verbindungen zwischen Vorderseite und Seitenteilen war lose. Ohne Bearbeitung mit Holzleim wäre es nicht gegangen. Hier hat mir mein Vater mit seinen Fachkenntnissen geholfen. Er hat früher als Schreiner gearbeitet und kennt sich mit der Verleimung besser aus als ich. Mit Hilfe von Schraubzwingen, gutem Leim und Dübeln brachte er die Schublade wieder auf Vordermann. Danke an dieser Stelle Papa : )

Wie bei jedem Projekt, habe ich auch hier das Möbelstück geschliffen und gründlich gereinigt. Das Schleifen habe ich komplett von Hand erledigt. Ging relativ zügig und aufgrund der vielen Kanten und Vertiefungen in diesem Fall besser, als mit der Schleifmaschine. Das entscheide ich immer spontan, je nach Objekt. Zur Hilfe habe ich folgende Utensilien genommen:

  • Schleifpapier
  • Schleifschwamm
  • Schleifklotz
  • Atemschutzmaske (Unterschätzt den Feinstaub nicht und schützt eure Lunge!)
  • Handschuhe

Nach dem Schleifen, wurde das Holz mit einem Handfeger abgefegt, anschließend mit einem feuchten Lappen abgewischt, trocknen lassen. Fertig.

Schritt 2 – Kommode weiß streichen

Grundsätzlich solltet ihr immer testen, ob ein Möbelstück eine Grundierung benötigt. Das ist meistens der Fall, gerade wenn man es Weiß streichen will. Das Problem: An vielen Stellen schimmert die natürliche Holzfarbe durch. Da könnt ihr mit 3, 4 oder 5 Schichten Farbe drüber. Manchmal nützt es einfach nichts. Ich habe es mit einer Schublade getestet und war der Meinung, dass ich keine Grundierung brauche. Die Schublade war nach dem ersten Anstrich bereits vollständig deckend gestrichen. Doch ich habe mich zu früh gefreut. Eine separate Holzgrundierung wäre beim Korpus der Kommode nämlich besser gewesen. An manchen Stellen entstanden leider unschöne Flecken, die auch nach mehrfachem Streichen nicht verschwinden wollten. Daher mein Tipp: GRUNDIEREN! Zumindest beim Weißeln : ) Denn die Farbe in Kombination mit herkömmlichen Holz (natürlich kommt es auch auf die Sorte und die ursprüngliche Holzbehandlung an) ist einfach anfällig für Fleckenbildung.

Naja, glücklicherweise hat sich das Ganze in Grenzen gehalten, aber würde ich das Projekt wiederholen, wäre jetzt eine Grundierung drauf. Hier ist nur wichtig, dass ihr den Farbton möglichst angleicht. Denn Weiß ist nicht gleich Weiß. Es gibt diverse Nuancen, sowohl bei Kreidefarbe, als auch bei Grundierungen. Achtet auf eine harmonische Abstimmung!

Die kleineren Flächen und Zwischenräume habe ich alle mit einem Pinsel, die größeren Flächen mit einer Farbrolle gestrichen. Dann folgt die Trockenphase. Dabei lüften nicht vergessen, falls ihr drinnen streicht.

Nicht wundern, der erste Anstrich war nicht deckend, wie man klar sehen kann:

Sorry für das Chaos drumherum ; ) Aber zum Zeitpunkt dieser Arbeiten war es draußen sch… kalt! Aus Platzgründen musste das Büro als Arbeitsplatz herhalten.

Schritt 3 – zweiter Anstrich

Der zweite Anstrich erfolgte nach dem gleichen Schema. Kreidefarbe mit Pinsel und Farbrolle sorgfältig, aber zügig auftragen, trocknen lassen, fertig.

Nach dem zweiten Anstrich sah das Ganze deutlich besser aus:

Schritt 4 – Shabby Chic selber machen

Nach dem die weiße Kreidefarben aufgetragen war, kam das, worauf ich mich eigentlich schon seit den 3 Jahren Wartezeit auf dieses Projekt am meisten freue: Endlich durfte ich dem alten Möbelstück durch Schleifen den gewünschten Shabby Chic beziehungsweise Vintage Look verpassen. Dafür habe ich teilweise einen Schleifschwamm, teilweise herkömmliches (sehr feines) Schleifpapier benutzt. Mit dem Schleifschwamm arbeite ich generell sehr gerne, weil er sich super in Rillen drücken lässt, um gleichmäßige Ergebnisse zu erzielen. Herkömmliches Schleifpapier ist da bei filigranen Holzelementen etwas unpraktisch, weil es oft recht starr ist und sich schlechter anpassen lässt.

Generell lassen sich durch das An- bzw. Abschleifen der gestrichenen Oberfläche wunderschöne Gebrauchsspuren einarbeiten. Es wirkt am Ende so, als hätte das Möbelstück inklusive des neuen Anstrichs schon einige Jahre auf dem Buckel. Ob ihr den Shabby Chic Style intensiv oder nur sehr dezent wählt, bleibt euch überlassen. Ich persönlich fang da einfach irgendwo an und lass mich von meinem Bauchgefühl leiten. Ich mache mir da vorher nicht zu viele Gedanken, sondern lege direkt los.

Was ich jedoch ein wenig gecheckt und abgeglichen habe, ist die harmonische Abstimmung zwischen Schubladen und Korpus. Hier hätte es sicherlich komisch gewirkt, wenn die künstlich geschaffenen Gebrauchsspuren und Macken dummerweise an der gleichen Stelle landen. Wer wie ich, ein solches Projekt nicht an einem Wochenende durchziehen kann, sondern mehrfach anfangen muss, läuft hier Gefahr zufällig an den identischen Stellen zu Schleifen. Behaltet daher immer das Gesamtkonzept im Auge, wenn es mehrere Elemente zum Bearbeiten gibt!

Wichtig: Benutzt einen neuen Schleifschwamm, weil durch Rückstände von anderen Schleifarbeiten Schmutz auf die weiße Oberfläche gelangen könnte! Das wäre super ärgerlich und versaut euch im schlimmsten Fall die Arbeit vieler Stunden. Testet sowohl Schleifpapier als auch Schleifschwamm immer erst an einer unauffälligen Stelle! Ist sicherer!

Tipps für Gebrauchsspuren:

  • immer erst schwach / sanft beginnen zu schleifen und vorsichtig ans Ergebnis herantasten!
  • besser feines Schleifpapier nehmen und etwas häufiger über Stellen drüber, als zu grobes zu nehmen, das zu viel Farbe auf einmal entfernt!
  • in Richtung der Holzmaserung arbeiten oder entsprechend so, dass die Gebrauchsspuren authentisch wirken. Überlegt zuvor: Wo würde die Farbe am ehesten abblättern bzw. abgenutzt sein bei gewöhnlicher Nutzung. Bei dieser Kommode zum Beispiel im Bereich der Griffe, an den Türen allgemein, an Kanten und an Schubladen, die ständig geöffnet und geschlossen werden

Die Kreidefarbe von Amazona deckt super zuverlässig und hält, außerdem hat sie sich sehr angenehm bearbeiten und schleifen lassen. Mit Schleifschwamm und Schleifpapier hatte ich schnell den Dreh raus und konnte die Shabby Spuren ohne Probleme realisieren.

Schritt 5 – Versiegeln mit Wachs

Bevor ich das Projekt startete, informierte ich mich ausführlich zum Thema Oberflächenversiegelung. Man kann Kreidefarbe zwar auch solo lassen, aber ich würde eher davon abraten. Zumindest bei einem solchen Möbelstück wie einer Kommode oder einem Schrank, das man ständig anfasst und regelmäßig abstauben muss. Kreidefarbe ist wunderschön, aber sie hat auch ein paar Nachteile: Zum einen ist sie nicht wasserbeständig, was zur Folge hat, dass die Hälfte beim feuchten Abwischen am Putztuch hängen bleibt. Zwar würde es eine Weile dauern, bis man die gesamte Schicht wegwischt, doch ich habe das beim Entfernen von Farbresten im Inneren des Schranks festgestellt und kann euch sagen: Kreidefarbe lässt sich mit feuchtem Wischtusch regelrecht „wegputzen“. Soll heißen, wenn ihr Oberflächen regelmäßig abstauben wollt, würdet ihr die schöne Farbe nach und nach entfernen bzw. die Oberflächenstruktur negativ beeinflussen. Kreide und Wasser vertragen sich nun mal nicht gut ; )

Zum anderen habt ihr beim Anfassen von unbehandelten Kreideoberflächen ruckzuck weiße Hände und eben auch Klamotten. Nicht gerade ideal bei einer Kommode, die ständig berührt, beim Vorbeigehen gestreift und mit Kleidung gefüllt wird. Für mich war daher klar: Du steckst jetzt so viel Arbeit in diese Kommode, da soll die Oberfläche auch Bitteschön langfristig schick bleiben und robust sein. Und wie macht man mit Kreidefarbe gestrichene Oberflächen strapazierfähig? Ich habe mich für Holzwachs entscheiden. Genauer gesagt für das Produkt von Ann Sterling:

Auch dieses Soft Wax kann ich euch nach sorgfältiger Recherche und der Verwendung bei diesem Projekt klar empfehlen. Ich achte, wann immer möglich, auf Umweltverträglichkeit, Preis-Leistung und Verarbeitung. Alle 3 Punkte stimmen hier meiner Meinung nach. Einige Fakten im Überblick:

  • Bienenwachs
  • Kosten: 6 € + 4 € Versand (für 250 ml)
  • super einfache Verarbeitung
  • Behandelte Oberflächen sind anschließend abwischbar und strapazierfähig
  • Die Kreidefarbe wird fixiert und erhält einen leichten Glanz (ist wirklich dezent und lässt sich durch schleifen mit feinem Schleifpad mattieren)
  • Die Farbe der Kreidefarbe Weiß hat sich nach dem Wachsen leicht ins Dunklere verändert. Aber nicht wesentlich, sodass die Farbe noch immer ihren natürlichen Charakter behält
  • 1 Schicht reicht als Versiegelung

(nicht wundern: das Produktbild bei Amazon sieht anders aus, als das Produkt auf meinem Foto. Ich habe das Gleiche bestellt und bekam ein Döschen aus Metall. Es ist lediglich die Verpackung anders)

Holzwachs auftragen

Um die Kreidefarbe zu versiegeln, wird das Wachs sehr dünn aufgetragen, in Richtung der Holzmaserung eingearbeitet und dann folgt eine Trockenphase von drei bis vier Stunden. Anschließend die bearbeiteten Oberflächen mit einem Tuch polieren. Fertig. Den Zeitaufwand für diese beiden Arbeitsschritte darf man nicht unterschätzen. Plant auch dafür ausreichend Zeit ein und erledigt das sorgfältig, um am Ende von optimalen Ergebnissen zu profitieren. Die Arbeit lohnt sich! Denn gewachste Kreidefarbe-Oberflächen sind robust und alltagstauglich.

Was allerdings verloren geht, ist die pudrige Oberfläche. Das Wachs dringt in alle Zwischenräume ein (was ja Sinn der Versiegelung ist) und glättet die Oberflächen, diese werden seidenglänzend. Ich persönlich muss aber sagen, das mich das angesichts des positiven Gesamtergebnisses überhaupt nicht stört. Ich war hier auch erst skeptisch, da ich ja diese besondere Oberfläche haben wollte. Aber: Mir ist es lieber, wenn die Oberfläche nicht pudrig ist, stattdessen aber pflegeleicht. Denn nichts würde mich mehr nerven, als Kreidefarbe, die ständig ihre Bestandteile an meine Klamotten und mich abgibt. So etwas wäre eher lästig. Auf den folgenden Fotos kann man die seidenmatte Oberflächenstruktur etwas erahnen:

Geht es aber um dekorative Objekte, die ihr nur selten Anfassen müsst, könnt ihr euch überlegen, ob ihr auf die Versiegelung verzichtet. Würde ich zum Beispiel eine Deko-Holzkiste streichen, würde ich kein Wachs verwenden, sondern Kreidefarbe pur!

Darf ich vorstellen: Meine neue alte Shabby Chic Kommode

Mit dem Ergebnis der Arbeit bin ich durchaus zufrieden. Am deutlichsten zeigt sich die Veränderung natürlich im direkten Vorher-Nachher-Vergleich. Zwei völlig verschiedene Möbelstücke:

Die neuen Möbelknöpfe passen jetzt wunderbar zu den Scharnieren und die Kommode wirkt jetzt völlig anders.

Die geschliffenen Stellen sind das gewisse Etwas : )

Ich hoffe ich konnte euch wieder ein paar Tipps und Inspirationen für euer nächstes Projekt liefern. Über Kommentare würde ich mich sehr freuen : ) Habt ihr bereits mit Kreidefarbe hantiert und falls ja, welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Ich wünsch euch einen tollen Abend. Lasst es euch gut gehen : )

Viele kreative Grüße,

Gaby

PS: Inzwischen sind schon wieder einige Wochen vergangen und die Kommode wurde mehrfach abgestaubt. Daher kann ich euch auch dazu erste Erfahrungen mitteilen. Das Abstauben klappt dank Holzwachs ohne Weiteres. Zudem sind die Oberfläche so stabil, dass auch Berührungen durch den Staubsauger keine Spuren hinterlassen. Bislang hab ich an den beiden Produkten (Kreidefarbe und Wachs) hinsichtlich des Endergebnisses daher nichts auszusetzen.

Beitrag kommentieren