Besitz reduzieren, zufriedener leben – entrümpeln für das persönliche Glück

Das Anhäufen von Besitz hat evolutionäre und psychologische Hintergründe. Nimmt das Aufbewahren von Materiellem überhand, kann das zur massiven Belastung werden. Oft spürt man die negativen Auswirkungen von einem Übermaß an Dingen erst, wenn man sich davon trennt. Ich habe mich im vergangenen Jahrzehnt von vielen Sachen verabschiedet und möchte ein bisschen davon erzählen. Lasst euch inspirieren und zum Umdenken anregen! Denn mit weniger Gepäck lebt es sich leichter.

Ordnungsliebend bin ich schon immer. Aber konsequentes Entrümpeln, lernte ich erst mit der Zeit. Seit ich es regelmäßig praktiziere, geht es mir wesentlich besser. Ich habe mehr Energie und fühle mich in den eigenen vier Wänden deutlich wohler. Die Leidenschaft zum Thema Ordnung hat mich letztlich auch zum Ordnungscoaching geführt. Ich habe viele Bücher darüber verschlungen und viele Tage damit verbracht, mein eigenes und das Zuhause anderer Menschen von Gerümpel zu befreien. Es ist jedes Mal ein wunderbares Gefühl. Ich liebe das. Um euch einen Einblick in meine persönlichen Entrümpelungsaktionen zu gewähren, fasse ich einige wesentliche Bereiche zusammen:

Küchenzubehör

Als ich vor 13 Jahren die erste eigene Wohnung bezog, bekam ich von Eltern und Geschwistern viele gebrauchte Dinge für die Küche. Ich war dankbar und froh Geld sparen zu können. Das Problem war nur, dass sich mit der Zeit einiges als unnötig erwies und Neues dazukam durch Geburtsgeschenke und Co. Die Folge: Die Küchenschränke waren überfüllt. Heute passiert mir so etwas nicht mehr. Bevor etwas in meine Schränke wandert, überlege ich genau, ob ich es wirklich brauche. Kommt was Neues dazu, ersetzt es etwas Anderes. So beuge ich einem Sammelsurium vor. Damals jedenfalls, räumte ich die gesamten Küchenschränke aus, wischte sie sauber und begann jeden einzelnen Gegenstand zu checken. Brauch ich das? Gefällt mir das? Konnte ich eine der beiden Fragen nicht mit Ja beantworten, wurde es gespendet. Heute freu ich mich über eine Küchenausstattung, die nur das Nötigste enthält, mich aber umso glücklicher macht, weil jeder einzelne Gegenstand benutzt wird.

Beschädigtes Geschirr: Kommt bei mir raus!

Beschädigte Dinge rauben Energie. Ob ihr an diese einfache Regel aus der chinesischen Harmonielehre Fēng Shuǐ glaubt oder nicht, ist nicht so wichtig. Fest steht, dass beispielsweise kaputte Tassen oder Teller wenig einladend auf Gäste wirken und vor allem eines ausstrahlen: Mangelnde Wertschätzung vor sich selbst. Seid ihr es euch nicht wert aus intaktem Geschirr zu essen und zu trinken? Wollt ihr euren Gästen nicht lieber einwandfreies Zubehör bereitstellen, damit sie sich bei euch wohl und wertgeschätzt fühlen? Ich denke doch. Das heißt natürlich nicht, dass ihr alles neu kaufen müsst. Das wäre gleichermaßen unnötig. Dennoch solltest ihr Kaputtes entweder schnellstmöglich reparieren oder aus dem Haushalt verbannen.

Spielzeug und Kuscheltiere

Viele bewahren die Spielsachen aus ihrer eigenen Kindheit Jahre oder gar Jahrzehnte auf. Man könnte es ja mal für die eigenen Kinder brauchen. Mir ging es genauso. Als jedoch ein Umzug (übrigens eine hervorragende Gelegenheit zum Ausmisten!) bevorstand, machte ich Nägel mit Köpfen. Ich wählte drei Dinge aus, die mir besonders am Herzen liegen, die ich bis heute in einer „Erinnerungskiste“ sorgfältig aufbewahre. Den Rest spendete ich an bedürftige Kinder. Ein tolles Gefühl! Denn so konnte ich anderen eine Freude machen mit Dingen, die ich jahrelang mit mir herumgeschleppt habe und niemandem nützlich waren. Sinnvoller, kann man sein Hab und Gut nicht loswerden!

Ihr könnt euch schlecht von Dingen trennen, würdet es aber gern? Macht ein Foto davon und speichert es ab! Bedenkt, dass die Erinnerung an Dinge beziehungsweise Geschenke im Herzen bleiben und nicht verloren gehen, nur weil ihr das Materielle loslasst.

Kleidung & Schmuck

Wer kennt das nicht: Man macht den Schrank auf und weiß nicht, was man anziehen soll! Das ging mir früher auch so. Inzwischen habe ich eine Wohlfühl-Garderobe, in der sich nur Dinge befinden, die ich gerne anziehe, gut passen und intakt sind. Alles andere, habe ich gespendet beziehungsweise abgetragene Sachen entsorgt. Ein gut sortierter und entrümpelter Kleiderschrank spar viel Zeit und Nerven. Probiert es aus und trennt euch von ungeliebten Textilien!

Auch Schmuck besitze ich nur noch das Nötigste. Ich habe über die Jahre festgestellt, dass ich oft sowieso weder Ketten noch Armschmuck trage. Zudem habe ich keine Lust mir den Kopf darüber zu zerbrechen, was wozu passt. Eine kleine Auswahl an zeitlosen Accessoires spart Zeit und Geld. Deshalb besteht mein aktuelles Schmuck-Arrangement aus 2 Ringen, die ich sowieso immer trage, 4 Paar Ohrschmuck, 2 Armkettchen und 2 Halsketten.

Dokumente, Datenträger und Elektroschrott

In einem Büro sammeln sich gern heimlich still und leise Unmengen Dokumente. Auch weit über die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen hinaus. Als ich unser Büro auf Vordermann gebracht habe, entsorgte ich jedes kleinste Fitzelchen an unnötigem Ballast. Ich habe mehrere Wäschekörbe Papier, 2 Tüten CDs und einiges an defektem Elektrokram aus dem Raum verbannt. Ich konnte meinen eigenen Augen kaum glauben, als ich fertig mit Schreddern war und den Elektroschrott zur Deponie fuhr. Das Schönste war, nach dem Entsorgen nach Hause zurückzukehren und den Freiraum zu genießen, der sich durch das Entrümpeln ergab. Mehr Platz, mehr freie Fläche, mehr Luft zum Atmen und kreativen Schaffen. Herrlich!

Dekoration

Ich liebe Deko, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Zuviel davon nervt mich. Deshalb miste ich meine Dekoration in der Wohnung regelmäßig aus. Auch auf übermäßiges Dekorieren nach Jahreszeit verzichte ich. Stattdessen gibt es ein paar Highlights zu Ostern und Weihnachten. Das war´s. Zwischen diesen Festen hole ich mir lieber ab und zu ein paar frische Blumen aus dem Garten ins Haus, statt ständig irgendwelchen Kram zu kaufen, den ich später abstauben muss. Auch Fotos von Reisen sind für mich die bessere Dekoration als Nippes. Ich genieße stattdessen lieber freie Flächen und nutze die gesparte Zeit durch weniger Abstauben für Spaziergänge. Da hat man mehr davon.

Ich habe die Autoladungen nicht gezählt, die ich über die Jahre gespendet, auf dem Flohmarkt verkauft und entsorgt habe, aber ich weiß, dass es eine Menge Zeug war und im Nachhinein frage ich mich, wo das alles verstaut war. Umso größer die Erleichterung heute um ein Vielfaches weniger Ballast zu besitzen.

Der bisher größte Schritt: Das Auto verkauft

Das war eine Entscheidung, die mehrere Jahre in Anspruch genommen hat. Mein Mann und ich hatten lange Zeit zwei Autos. Bis ich in sein Unternehmen eingestiegen bin, hat das auch Sinn gemacht, weil ich extern gearbeitet habe. Seit ich jedoch von zuhause aus tätig bin, sind zwei Autos Quatsch. Dennoch ist es uns unheimlich schwer gefallen auf diese Unabhängigkeit zu verzichten. Zu lang war man daran gewöhnt. Mehrere Jahre kam das Thema immer wieder auf den Tisch und nervte. Schließlich rauben aufgeschobene Entscheidungen viel Energie. Und in diesem Fall fiel die Entscheidung lange nicht. Stattdessen kam es zu einer Art Schwebezustand. Es wurden die Vor- und Nachteile abgewogen, das Für und Wider diskutiert.

Als dann ein Bekannter dringend ein Auto benötigte, fiel die Entscheidung ganz schnell. Von einer Woche auf die andere war mein Auto weg. Und was soll ich sagen: Ich habe es nie bereut. Stattdessen habe ich es als Erleichterung empfunden. Ich dachte immer, dass ich es vermissen und mir die Unabhängigkeit fehlen würde. Nichts davon trat ein. Vielmehr denke ich heute, ich hätte es schon früher loswerden sollen. Aber dieses dämliche „Hätte“ versuche ich aus meinem Leben zu verbannen. Hätte, hätte, Fahrradkette! Was soll´s! Jetzt ist es erledigt und gut.

Ich bin froh und dankbar den Schritt gewagt zu haben. Sicherlich werden jetzt manche denken, dass das doch keine große Sache ist. Aber da hat jeder seine individuellen Entscheidungen, die ihm besonders schwerfallen. Für manche ist es das Auto, für andere ein Buch, ein Möbelstück, Erbstück oder Schmuck. Mir hat dieses Experiment mit dem Loslassen meines Autos bewiesen, dass man vieles, was man für unersetzbar hält, nicht braucht. Wir hängen unser Glück an Dinge, die uns niemals glücklich machen können. Oberflächlich vielleicht. Aber wer sich intensiver mit der Thematik beschäftigt, weiß, dass wahres Glück nichts mit materiellem Besitz zu tun hat.

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