28.09.12

Im ersten Teil meiner zweiteiligen Beitragsreihe zum Thema „Restaurieren und Umgestalten“ habe ich euch über ein altes Schränkchen und ein einfaches Holzregal berichtet, die ich beide restauriert und umgestaltet habe. Heute möchte ich euch erläutern, wie ich eine alte Holztruhe restauriert habe. Diese Aufgabe war schon etwas komplizierter. Aber es hat sich gelohnt!

Die Vorbereitung – das A und O

Auch diese alte Truhe stand auf dem Dachboden meiner Eltern (ja die haben da eine Menge altes Zeug rumstehen ; )). Mir haben solche alte Truhen schon immer gefallen. Ich finde sie erzählen eine ganz eigene Geschichte und geben einem Raum einen gewissen Charme.

Als ich die Truhe vom Dachboden holte, war sie in einem miserablen Zustand. Sie musste früher mal einen grünen Anstrich gehabt haben. Denn überall waren noch Farbreste zu sehen. Außerdem waren die Eisenteile (seitliche Griffe, Eckenschutz und Leisten) verostet, Holzspriesen standen an allen Ecken und Kanten ab und am Deckel fehlte ein kleines Eck. Das bedeutete: es gab jede Menge Arbeit ; ) So sah die Truhe am Anfang noch aus, ziemlich matt, schmutzig und rau:

Truhe_vorher

Gründlich Abschleifen – Grundvoraussetzung

Bevor das Holz in irgendeiner Art behandelt werden kann, muss es gründlich abgeschliffen werden. Ich verwendete hierfür eine Schleifmaschine. Sonst wäre ich wahrscheinlich heute noch nicht fertig : ). Alle Flächen mussten ebenmäßig und von alten Lackresten befreit werden. Als ich innen und außen alles mit der Maschine bearbeitet hatte, fuhr ich mit den Handflächen vorsichtig über das Holz. So bemerkte ich sofort, wenn bestimmte Stellen noch zu rau waren. Hier ging ich dann noch mit Hand drüber und schliff mit feinem Schmirgelpapier nach. Solange bis eben alle Flächen, Kanten und Ecken einwandfrei sind. Anschließend habe ich die gesamte Truhe abgebürstet und mit einem feuchten Tuch abgeputzt. Wichtig: Keine Putzmittel oder Sonstiges verwenden!

Eisenteile abbürsten

Als das Holz vorbeireitet war, begann ich mit den Eisenteilen. Diese mussten vom Rost befreit werden. Hierfür verwendete ich eine starke und sehr grobe Stahlbürste. Denn ich halte nichts von irgendwelchen starken Mitteln oder Säuren. Diese belasten nur die Umwelt und schaden dem Holz.

Rostfreie Eisenteile behandeln

Als der Rost entfernt war, strich ich die Eisenteile mit einem speziellen Mittel, das zur Vorbeugung gegen erneuten Rost gedacht ist. Hier kann ich den „Hammerite“ Rostumwandler empfehlen. Dieses Mittel gibt es fast in jedem Baumarkt. Es kann zwar auch auf den Rost direkt gegeben werden. Aber ich habe es bevorzugt den Rost vorsichtshalber vorher zu entfernen. Der Rostumwandler von Hammerite ist flüssig und kann mit einem Pinsel super einfach aufgetragen werden. Und wer die Eisenteile anschließend überstreichen möchte, kann das tun. Denn der Rostumwandler ist ohne Weiteres überstreichbar. Da der Rostumwandler aber schwarz ist, fand ich die Optik so gut und belies es dabei.

Fehlende Holzteile ersetzen

Auch das kleine fehlende Holzstück an einem Eck des Truhendeckels musste ersetzt werden. Hierfür suchte ich mir ein Holzstück heraus, das der Holzfarbe der Truhe möglichst ähnlich war und eine abgerundete Form hatte. Dieses Holzstück sägte ich passend zu und befestigte es mit einem kleinen möglichst unauffälligem Nagel. Nun war die Vorbereitung abgeschlossen.

Die Holzbehandlung

Ich entschied mich dafür das Holz der Truhe in seiner natürlichen Farbe zu belassen. Denn genau diese Optik macht es aus wie ich finde. Durch die vielen Jahre, die die Truhe auf dem staubigen Dachboden stand, war das Holz sehr trocken und rau. Das ist auch normal. Schließlich ist Holz ein natürlicher Stoff, der sich mit der Zeit verändert. Damit das Holz die notwendige Pflege bekommt und wieder in neuem Glanz erstrahlt, muss es behandelt werden. Ich habe mich für eine Holzöl-Lasur entschieden. Die ist leicht aufzutragen und zieht schnell ins Holz ein.

Holzoellasur

Achtet darauf, dass die Lasur wasserverdünnbar, geruchsarm, farblos und vor allem lösemittelfrei ist! Das schont die Umwelt und ist für das Holz besser!

Lasur

Bei meiner Truhe war es so, dass das Holz die Holzlasur quasi gefressen hat ; ) Das Holz war durch die Jahre so ausgelaugt, dass diese Pflege enorm nötig war. Daher strich ich auch noch zwei weitere Schichten Lasur auf´s Holz. Hier müsst ihr einfach auf der Gebrauchsanweisung eures Mittels nachlesen. Außerdem kommt es eben auch drauf an in welchem Zustand sich das Möbelstück befindet. Je nach dem sind dann mehr oder weniger Schichten nötig.

Alternativen zur Lasur

Falls ihr nicht gerne mit Lasur arbeitet, könnt ihr als Alternative auch Wachs verwenden. Lasst euch einfach beim Fachmann beraten, wenn ihr euch unsicher seid. Stolz wie Oskar präsentiere ich jetzt meine restaurierte Holztruhe in meiner Wohnung : ) Ich benutzte sie zur Aufbewahrung von Handtüchern und Bettwäsche.

Truhe_nachher

Ein Unikat der besonderen Art

Wie ihr seht, macht eine Restaurierung je nach dem sehr viel Arbeit. An dieser Truhe saß ich mehrere Tage! Aber das Ergebnis entschädigt für alles! Und zudem hat man dann ein Möbelstück, auf das man stolz sein kann und das den eigenen vier Wänden einen ganz persönlichen Stil verleiht.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Umgestalten und Restaurieren ; )

Restaurieren und Umgestalten – Teil 1

11 Kommentare für “Restaurieren und Umgestalten – Teil 2”

  1. Hallo,
    Ich hatte eine ganz ähnliche Truhe und genau das gleiche vor wie Du.
    Habe auch feschliffen, Rostumwandleraufs Metall und eine Holzöl-Lasur aufs Holz.
    Meine Frage: es ist jetzt 3 Tageher dass ich das Holz eingelassen habe, und es „müffelt“ doch noch recht stark.
    Wie lange dauert es bis sich der Geruch legt?
    Die Truhe soll ins Schlafzimmer aber momentan riecht sie noch sehr unangenehm.
    Lieben Dank für diesen tollen Beitrag!

    Sascha

  2. Hallo Sascha,

    vielen Dank für deinen Kommentar.
    Freut mich, dass auch du Spaß an solchen Arbeit hast ; )
    Darf ich fragen welche Lasur du verwendet hast?

    Also das ein Geruch von der Lasur entsteht, ist schon richtig.
    Ich habe die Truhe nach dem Fertigstellen einige Tage nach draußen an die frische Luft gestellt
    (natürlich überdacht damit sie keine Feuchtigkeit abbekommt!).
    Es kann einige Tage dauern bis der Geruch nachlässt. Gerade wenn man mehrere Schichten Lasur
    aufträgt, dauert es bis alles durchgezogen ist. Daher etwas Geduld : )

    Aber ich nutze die Truhe für Handtücher, Bettwäsche und Co und kann nun nicht über einen dauerhaften Geruch klagen.
    Sie steht bei mir ja auch im Schlafzimmer und das ist kein Thema.

    Also melde dich gerne bei Fragen.

    Liebe Grüße und viel Spaß damit.

  3. Hi Gaby,
    sorry dass ich erst jetzt antworte. Erst war Urlaub und dann ist mir die URL deiner Seite nicht mehr eingefallen da ich ursprünglich am iPad kommentiert hatte.
    Ich habe auch so eine Holzöl-Lasur verwendet wie du (nur anderer Hersteller), aber mittlerweile, nach gut 6 Wochen hat sich das Geruchsproblem quasi in Luft aufgelöst.
    Mittlerweile steht die Kiste im Schlafzimmer und ich kann ja wenn du magst mal ein Bild davon machen.
    Wir haben mittlerweile unsere Gästebetten darin gelagert.

    Viele Grüße und nochmals danke für diesen tollen Artikel der mir eine gute Unterstützung war.

    Sascha

  4. Hallo Sascha,

    klar kein Thema. Habe ich gerne gemacht ; )

    Freut mich, dass sich das Problem erledigt hat!
    Dann kannst du die Truhe nun wie gewünscht nutzen und hast mehr Stauraum. Perfekt!
    Über ein Bild freue ich mich natürlich.

    Und was ist dein nächstes Projekt? ; )

    Liebe Grüße

  5. Hallo Gaby,
    sehr schöner Beitrag mit einer noch schöneren Kiste. Die würde sich sehr gut in meinem WOhnzimmer machen 😉
    Ich hätte jedoch vielleicht erst das Metall behandelt und DANACH das Holz, um eventuelle Rostflecken, Riefen, Kratzer etc darauf zu vermeiden. Man könnte aber auch die STellen um das Metall herum abkleben und dann kann am Holz nichts mehr passieren (für besonders empfindliches Holz).

    Gruß
    Marc

  6. Hallo Marc,

    danke für deinen Kommentar.
    Klar die Reihenfolge bleibt jedem selbst überlassen ; )
    Ich denke durch Abkleben ist man auf der sicheren Seite!

    LG

  7. Hallo, super Kommentar denn ich habe gestern auch eine Truhe gekauft und diese hat braunen Lack, nun will ich diese Restaurieren.
    Gruss

    Sven

  8. Hey Sven,

    freut mich wenn ich helfen konnte : )

    Wünsche dir viel Erfolg und Spaß beim Umgestalten!

    LG Gaby

  9. Hallo Gaby,

    ich habe von der Oma meines Partners eine Holzkiste/-Truhe bekommen, die ich gerne restaurieren würde, sodass sie ins Bad gestellt werden kann.

    Außen ist sie tief schwarz und innen grün.
    Da wir beide noch keinerlei Berührung mit solchen Restaurationen haben, bräuchte ich echt Hilfe! 🙂
    Mit welcher Körnung (für die Schleifmaschine) sollte man am besten arbeiten?

    Die Beschläge bekommen wir höchstwahrscheinlich nicht ab, ohne einen Schaden anzurichten :/
    Daher weiß ich auch noch nicht so recht, wie ich da ran gehen soll.

    Würde mich über hilfreiche Tipps sehr freuen!

    LG Jule

  10. Hallo Juliane,

    vielen Dank für deinen Kommentar : )
    Toll, dann hast du ja ein tolles Projekt vor dir : )

    Wegen der Körnung des Schleifpapiers: Da gibt es meiner Meinung nach kein Patentrezept. Ich entscheide das immer nach Gefühl und probiere zunächst von Hand aus, welche Körnung das gewünschte Ergebnis bringt. Das Schleifpapier sollte nicht zu grob, aber auch nicht zu fein sein. Mein Tipp: Fang besser mit feinerem/mittlerem Schleifpapier an und taste dich gegebenenfalls vor. Wenn ihr gleich ein sehr grobes Schleifpapier verwendet, kann sich das später negativ bemerkbar machen. Das kommt ganz auf das Holz und dessen Zustand an. Gerade mit der Schleifmaschine passiert es schnell, dass man mehr Holz abschleift, als man wollte. Daher vorsichtig anfangen, am besten irgendwo, wo man es nicht sieht.

    Ich habe die Beschläge bei meiner Holztruhe auch nicht abgenommen. Das ging nicht. Wenn die sehr rostig sind, muss man sie behandeln, sonst rostet das weiter fröhlich vor sich hin. Beim Schleifen vom Holz kannst du die Beschläge mit Malerkrepp abkleben, um sie zu schützen. Aber im Grunde sind die ja sehr robust. Ansonsten kannst du ja in meinem Beitrag oben nachvollziehen, wie ich die Beschläge bearbeitet habe. Links zu dem verwendeten Rostumwandler findest du in diesem Beitrag: http://www.wohncore.de/koffer-restaurieren-variante-1-holzkoffer/

    Wenn du alles perfekt machen willst, würde ich mal bei einem Schreiner oder Restaurator nachfragen. Vielleicht kannst du ja direkt mit der Truhe hin oder zumindest telefonisch dein Anliegen erläutern. Ich bin kein Experte und kann dir daher nur sagen, wie ich es gemacht habe. Ob sich die alte Truhe für das Badezimmer eignet, weiß ich nicht. Im Bad herrscht oft eine ziemliche Feuchtigkeit. Holz nimmt die zwar auf und gibt sie auch wieder ab, aber zu viel des Guten könnte der Truhe vielleicht schaden. Auch hier kommt es wieder auf das Holz und dessen Zustand an. Ein gutes Öl wäre sicherlich angebracht, um die Oberfläche in gewisser Weise zu versiegeln. Das macht man ja auch bei massiven Esszimmertischen. Dass die Truhe von unten und generell vor Wasser geschützt werden sollte, ist dir ja sicherlich klar ; )

    Viel Spaß beim Werkeln!
    Ich würde mich freuen, wieder von dir zu hören. Bin gespannt, auf das Ergebnis!

    LG Gaby

Trackbacks/Pingbacks

  1.  DaWanda Wohnparade › wohncore

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.