27.07.17

Echter Parkettboden verleiht Räumen einen ästhetischen und natürlichen Charakter. Doch was macht den Fußbodenbelag aus und worauf sollte beim Kauf geachtet werden? Antworten gibt´s in meinem Ratgeber, der vom Material über Verlegearten bis hin zum Thema Nachhaltigkeit über diverse Faktoren aufklärt.

Norm bei Parkett

„Parkett“ darf nur als solcher verkauft werden, wenn die Nutzschicht mindestens 2,5 Millimeter Dicke aufweist. Das ist laut DIN EN 13489 vorgeschrieben und für Hersteller verbindlich. Eine möglichst dicke Nutzschicht ist bei Parkett wichtig, weil der Bodenbelag dann mehrmals abgeschliffen werden kann und sich so seine Langlebigkeit maximiert. Je dicker die Nutzschicht, desto öfter lässt sich der Boden abschleifen, um Gebrauchsspuren zu entfernen und die Oberfläche aufzufrischen. Ungefähr 0,5 Millimeter rechnet man für einmal Abschleifen. Diese Stärke wird von der obersten Holzschicht abgeschliffen, wodurch der Fußboden anschließend fast wie neu aussieht.

Der Aufbau

Es gibt unterschiedliche Aufbauten bei Parkett. Während Massivholz- beziehungsweise Vollholzparkett umweltfreundlicher aber dafür teurer ist, weil hier die Parkettdiele aus einem durchgehenden Stück Holz hergestellt wird, ist Mehrschichtparkett preiswerter. Letzteres besteht aus den folgenden drei Schichten:

  • Nutzschicht
  • Mittellage
  • Gegenzug

Wie bereits oben angedeutet, handelt es sich bei der Nutzschicht um die oberste, optisch erkennbare Schicht bei Parkett. Hier kommt Echtholz zum Einsatz. Die Mittellage kann aus Echtholz oder hochverdichteten Faserplatten bestehen. HDF, also Hochdicht-Faserplatten sind schwer und sehr robust. Das wiederum hat den Vorteil, dass die Geräusche beim Begehen (Gehschalleigenschaften) spürbar gedämpft sind. Der Gegenzug sorgt für Stabilität und bei jeder einzelnen Diele für Belastbarkeit.

Bei Massivholzdielen hängt die Qualität auch vom Zeitpunkt ab, wann die Bäume gefällt wurden und wie lange das Holz trocknen durfte. Werden Bäume zum richtigen Zeitpunkt gefällt, kann auf Holzschutzmittel verzichtet werden.

Ergänzend zu Mehrschichtparkett und Massivholzparkett gibt es Holzböden aus Edelholzfurnier. Die sind ideal, wenn ihr nur eine geringe Höhe für den Aufbau des Bodenbelags zur Verfügung habt, wie es zum Beispiel beim Renovieren von Altbauten der Fall sein kann.

Abriebklasse (Nutzungsklasse)

Anders als es beispielsweise bei Laminat der Fall ist, hängt nicht von der Nutzungsklasse, sondern von der Abriebklasse ab, für welchen Raum das Parkett in Frage kommt. Sie gibt an, wie strapazierfähig die Oberfläche von Parkett, Massivholzdielen und anderen Naturböden ist. Die Nutzungsklasse betrifft stattdessen elastische Böden.

In Räumen wie Wohnzimmer, Küche oder Flur ist die Beanspruchung in der Regel höher als in Schlafzimmer oder dem Gäste-WC. Deshalb sollte bei stärkerer Belastung die Abriebklasse „AC 3“ gewählt werden. AC 1 hingegen ist für Schlafräume und andere Zimmer mit geringer Beanspruchung ausreichend.

Zum Verständnis:

  • Nutzungsklasse (NK) 21 entspricht Abriebklasse (AC) 1
  • Nutzungsklasse (NK) 22 entspricht Abriebklasse (AC) 2
  • Nutzungsklasse (NK) 23 entspricht Abriebklasse (AC) 3

Härtegrad der Hölzer

Neben der Nutzschicht spielt in Sachen Qualität und Langlebigkeit der Härtegrad des verwendeten Holzes eine zentrale Rolle. Jedes Holz ist anders und zwischen Buche, Ahorn und Nussbaum gibt es Sorten mit härterer Struktur sowie besonders weiche Ausführungen. Da Böden hohen Strapazen standhalten müssen, sind Harthölzer besser geeignet. Habt ihr die Wahl zwischen Nadel- und Laubholz solltet ihr euch für Laubholz entscheiden, es ist im Vergleich härter. Der Härtegrad von Holz wird über die sogenannte Brinellhärte bestimmt. Umso höher der Wert, desto härter das Holz. Als besonders hart gilt der Laubbaum Ahorn.

Folgende Holzarten wären empfehlenswert:

  • Ahorn (Brinellhärte ca. 4,8)
  • Esche (Brinellhärte ca. 4,0)
  • Eiche (Brinellhärte ca. 3,6)
  • Buche (Brinellhärte ca. 3,5)
  • Kirsch (Brinellhärte ca. 3,0)
  • Birke (Brinellhärte ca. 2,6)

Nadelhölzer wie Kiefer (Brinellhärte ca. 1,6) oder Fichte (Brinellhärte ca. 1,3) sind deutlich weniger robust.

Oberflächenveredelungen: Von geölt bis gekalkt

  • geölt: Geöltes Parkett zeichnet sich durch ein warmes Laufgefühl und eine tolle Haptik aus. Hochwertiges Öl dringt tief ins Holz ein und pflegt es natürlich. Die Holzmaserungen werden hervorgehoben.
  • lackiert: Lackiertes Parkett ist besonders strapazierfähig. Die Oberfläche wird zuverlässig versiegelt und somit robuster gegenüber Flecken und Kratzern.
  • gefärbt: Die Maserung bleibt erkennbar, aber das Holz erhält eine andere Farbe.
  • gepastet: Ihr wollt intensive Maserungen oder Used-Look? Dann ist gepastetes Parkett die richtige Wahl. Nach dem Bürsten wird das Parkett mit Farbe bearbeitet und ist auf Wunsch mit Gebrauchsspuren versehen. Hier gibt´s die tollsten Varianten für individuelle Looks.
  • gekalkt: Die perfekte Oberflächenveredelung für den Landhausstil. Parkett wird beim Kalken aufgehellt.
  • gebürstet: Die Oberfläche wird aufgeraut und der natürliche Charme des Holzes betont. Wirkt optisch sehr natürlich.
  • geräuchert: Auch eine sehr extravagante Art Parkett zu bearbeiten. Hitze wird eingesetzt, um dunkle Hölzer noch charakteristischer zu gestalten.
  • gehobelt: Dabei entsteht durch Hobeln eine Wellenform. Die Oberflächenstruktur ist also nicht ebenmäßig glatt, sondern von wellenförmigen Vertiefungen geprägt.
  • gealtert: Gebrauchsspuren werden bereits vom Hersteller für eine gewollt benutzt erscheinende Optik ins Holz eingearbeitet.

Bedenkt beim Parkettkauf, dass sowohl Holzfarbe als auch dessen Veredelung Räume völlig unterschiedlich beeinflussen können. Nicht überall machen sich dunkle Böden gut, genauso wenig, wie optisch unruhiger Parkett mit vielen Aststellen jedes Zimmer bereichern. Darüber hinaus muss der Fußboden zum Mobiliar passen. Vertragen sich die Farbtöne nicht oder entsteht durch schlecht abgestimmte Strukturen ein chaotisches Gesamtbild, hat das negative Folgen auf die Raumwirkung. Lasst euch Zeit und nehmt ein paar Muster mit nach Hause. Nur so findet ihr den Bodenbelag, der ein harmonisches Raumkonzept ermöglicht.

Gebrauchsspuren sind manchmal durchaus erwünscht.

Sortierung

Nicht ganz unwichtig bei der Auswahl ist außerdem die Sortierung. Die Hersteller unterteilen Parkett oft in Kategorien wie rustikal, natur oder premium, was in erster Linie mehr über die Optik verrät. Rustikale Böden zeichnen sich durch zahlreiche Aststellen und eine geringere Nutzschicht aus. Bei der „natur“ Variante sind es weniger Aststellen und die Premium-Modelle weisen oft überhaupt keine Aststellen auf. Hier ist die Nutzschicht dicker und der Boden wirkt insgesamt edler und ebenmäßiger. Die Sortierungen können sich jedoch von Marke zu Marke unterscheiden und neben „rustikal“, „natur“ und „premium“ andere Titel wie „select“, „lebhaft“ oder „Ambiente“ tragen.

Formate und Verlegearten

Ihr wollt einem Raum mehr Tiefe verleihen und ihn optisch strecken? Dann sind großzügige Parkett-Dielen vorteilhaft. Verspielter wird es mit kleineren Elementen und filigranen Verlegearten. Das Spektrum reicht vom klassischen Fischgratmuster über die meist genutzte Variante Schiffboden bis hin zu aufwändigem Tafelparkett. Unter www.grafparkett.ch habe ich eine Übersicht zu den gängigen Parkett Verlegearten entdeckt. Der Schweizer Fachhändler stellt die Muster bildlich dar und informiert über die jeweilige Raumwirkung. Zur Verlegeart „Englisch“ heißt es: „Wer ein wiederkehrendes, ruhiges Verlegemuster wünscht, ist mit der englischen Verlegeart gut beraten. Bei diesem Design werden Parkettriemen gleichen Formats so platziert, dass die Stösse bei jeder zweiten Reihe auf die gleiche Flucht zu liegen kommen.“ Die Art wie Parkett verlegt wird, hat großen Einfluss darauf, wie Räume später zur Geltung kommen. Wählt sie mit Bedacht und besorgt euch beim Experten am besten ein paar Muster, um diese zuhause auf euch wirken zu lassen.

Fischgrat

Nachhaltig einkaufen: Zertifizierten Parkett kaufen!

Wie bei jedem Einkauf, sollte man bei Parkett auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit achten. Ich persönlich könnte es mit meinem Gewissen nie vereinbaren, Hölzer in meine Wohnung zu holen, die aus Raubbau aus Regenwäldern oder aus sonstigen umweltzerstörerischen Quellen stammen. Hinzu kommt die Belastung für die eigene Gesundheit durch Schadstoffe, die während der Produktion in die Böden wandern. Wer nicht aufpasst, kauft gesundheitsschädliches Parkett, das gleichzeitig der Umwelt massiven Schaden zufügt.

Deshalb appelliere ich an jeden Konsumenten: Bitte achtet darauf, dass euer neuer Fußboden entsprechend zertifiziert ist und bevorzugt regionale Hölzer aus unserer Heimat. Welche Gütesiegel es für Parkettböden gibt, erfahrt ihr hier:

  • FSC: Das Holz stammt aus nachhaltiger Waldnutzung und die Wertschöpfungskette wird vollständig überprüft. Die Produkte erfüllen alle definierten Standards und es erfolgt eine jährliche Überprüfung der Vorgaben. Wichtig zu wissen ist, dass es drei Produktkennzeichnungen gibt: Das FSC-Siegel 100% besagt, dass das Material vollständig aus vorbildlich bewirtschafteten Wäldern stammt. FSC Recycled markiert Ware aus Recyclingmaterial und FSC Mix bedeutet „Aus verantwortungsvollen Quellen“.
  • Der Blaue Engel: Bei diesem Zertifikat könnt ihr sicher sein, dass es sich um Holz aus legaler Forstwirtschaft handelt beziehungsweise emissionsarme Materialien genutzt werden. Auch die Beschichtung wird auf Schadstoffe überprüft.
  • Nature Plus: Der natureplus e.V. vergibt sein Qualitätszeichen unter anderem für Bodenbeläge aus Holz und Holzwerkstoffen. Die Anforderungen an die Produkte sind hoch. Egal ob Gebrauchstauglichkeit, Zusammensetzung, Rohstoffgewinnung, Fertigung, Nutzung, Recycling oder Verpackung: natureplus nimmt jeden einzelnen Punkt der Wertschöpfungskette genauestens unter die Lupe. Es finden zahlreiche unabhängige Analysen statt. Neben flüchtigen organischen Verbindungen wie Formaldehyd prüft das Institut auch auf Pestizide, halogenorganische Verbindungen und Metalle.
  • PEFC: „Es steht für einen nachvollziehbaren Herkunftsnachweis von Holzprodukten aus einer verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung“, schreibt PEFC online. Kontrolliert wird die gesamte Prozesskette von unabhängigen Gutachtern.

Achtung Fußbodenheizung!

Nicht jedes Parkett ist für Fußbodenheizungen geeignet! Achtet beim Kauf darauf und fragt im Zweifelsfall direkt beim Hersteller! Ist der Boden nicht für die Fußbodenheizung geeignet, hat das enormen Einfluss auf eure Energiekosten. Der Grund: Für Fußbodenheizungen ungeeignetes Parkett gibt Wärme von unten zu langsam nach oben ab. Es dauert lang bis der Raum warm wird und das kostet richtig Geld. Ist Parkett stattdessen für Fußbodenheizungen konzipiert, werden unter anderem die Lufteinschlüsse minimiert, welche ansonsten für die Energieverluste verantwortlich sind.

Trittschalldämmung, Dampfbremse und Co.

Ihr wollt Parkett selber verlegen? Dann gibt´s einiges zu beachten und ihr solltet euch detailliert informieren, um am Ende von einem langlebigen Fußboden zu profitieren. Nicht nur der Untergrund muss sorgfältig vorbereitet sein. Je nach Untergrund braucht ihr ergänzend eine Dampfbremse und eine Trittschalldämmung ist sowieso ein Muss. Nicht zu vergessen die Dehnungsfuge, die bei größeren Flächen elementar ist. Für die Do-it-yourself Variante solltet ihr zu modernem Klick-Parkett greifen. Der lässt sich deutlich einfacher verlegen und ist auch für geschickte Heimwerker geeignet. Besonders umweltfreundlich sind übrigens Parkettböden, die ohne Klebstoffe/Leim verlegt werden.

Vorteile von Parkett

Zum Schluss die Vorteile von Parkett auf einen Blick:

Nachteile von Parkett

Auch die Nachteile sollte man bedenken:

Professionelle „Erneuerung“

Es dauert lange, bis Parkett eine Rundum-Erfrischungskur braucht und abgeschliffen werden muss. Wenn es aber soweit ist, kann es je nach persönlichem handwerklichem Geschick erforderlich sein Experten für diese Tätigkeit zu beauftragen. Ist der Boden werkseitig lackiert, kommt man um einen Fachmann meistens nicht herum. Die Lackschicht muss ordentlich abgetragen und das Holz gleichmäßig sowie sparsam abgeschliffen werden.

Ich hoffe ich konnte euch hiermit einen groben Überblick zum Thema verschaffen und wünsche euch viel Spaß beim Stöbern nach einem neuen Fußboden : )

Viele Grüße,

Eure Gaby

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Bildquellen v.o.n.u.: jactod (pixabay.com) / Unsplash (pexels.com) / Stergo (pixabay.com) / Humusak (pixabay.com)

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