07.08.17

Für unsere neue, selbst gemachte Sitzecke im Garten wollte ich die Palettenmöbel farblich gestalten. Die Materialauswahl ist mir relativ schwer gefallen, da ich auf möglichst umweltfreundliche Inhaltsstoffe Wert lege. Für welches Produkt ich mich letztlich entschieden und welche Erfahrungen ich damit gemacht habe, erfahrt ihr hier.

Lacke, Lasuren, Holzschutz und Co.

Wer sich mit dem Thema Palettenmöbel auseinandersetzt und Paletten streichen will, wird mit einer riesigen Produktvielfalt konfrontiert. Das Spektrum umfasst Lacke, Holzschutzmittel, „Wetterschutzfarben“, Holzöle, Kombinationen aus Grund- und Deckanstrichen, UV-Lasuren, Dauerschutz-Lasuren und und und. Die Liste ist lang und als Laie den Überblick zu behalten beziehungsweise nach den jeweiligen Vor- und Nachteilen zu frecherchieren ist gar nicht so einfach. Ich war im Malerfachhandel, habe mich online umgeschaut und wieder Mal Rat bei meiner Schwester (Maler-und Lackiererin) eingeholt. Der Fachhandel empfiehlt unter anderem Produkte der Marken Adler, Caparol, einzA oder Jansen. Diese Hersteller führen empfehlenswerte Lösungen. Ich habe viel gelesen und verglichen. Zwei Faktoren spielten für mich eine zentrale Rolle:

  1. Die Inhaltsstoffe
  2. Der Preis

Grundsätzlich ist mir bewusst, dass eine gute Farbe ihren Preis hat und man bereit sein muss einen gewissen Betrag auszugeben, um Qualität zu erhalten. Dennoch wollte ich für Palettenmöbel nicht allein 200 Euro und mehr in die Farbe investieren. Das muss jeder für sich entscheiden und es gibt keine pauschale Antwort auf die Frage, welche Summe im Verhältnis angemessen ist. Bezüglich der Inhaltsstoffe liegen mir meine Gesundheit und die Umwelt am Herzen. Zwar ist die Gefahr für gesundheitliche Folgen bei Gartenmöbeln geringer, weil diese anders als bei Möbeln für Innenräume an der frischen Luft stehen und wir die Gase nicht so konzentriert einatmen. Trotzdem ist es mir wichtig als Konsument möglichst umweltfreundliche und unbedenkliche Produkte zu kaufen. Schließlich trägt jeder Kauf zur Nachfrage bei und die beeinflusst ja bekanntlich das Angebot.

Es gibt am Markt jede Menge aggressiver Holzschutzmittel gegen Bläue (dazu im ersten Teil mehr), die sowohl für uns Menschen, als auch für die Umwelt keine gute Wahl sind. Man darf ja auch nicht nur an die Verarbeitung an den Paletten denken, sondern sollte den gesamten Produktions- und Recycling-Kreislauf im Auge behalten. Und da bei bedenklichen Farben und Lacken nicht nur bei der Produktion eine Menge Emissionen zustande kommen, sondern auch das Recyceln aufgrund der Inhaltsstoffe problematisch ist, greife ich lieber gleich zu möglichst ökologisch vertretbaren Alternativen.

Erfahrungsbericht Baumarkt

Vor Ort im Fachhandel bin ich mit meiner Meinung teilweise angeeckt. Das Interessante an der Sache war, dass auch die Verkäufer sehr unterschiedliche Meinungen vertreten. In einem Baumarkt habe ich zum Beispiel zwei völlig gegensätzliche Aussagen zum Thema Paletten streichen erhalten. Ein Fachverkäufer knallte mir beispielsweise folgende Antwort hin, nachdem ich ihm meine Ansprüche in Sachen Umweltfreundlichkeit und gesundheitliche Unbedenklichkeit erläutert hatte (und zwar kurz und knapp, ich habe ihn keinesfalls lange aufgehalten, wenn es hoch kommt vielleicht zwei Minuten!): „Manche wollen die Farben am liebsten noch ohne Folgen trinken können“. Ne, das will ich nicht und das ist mir schon klar, dass es Grenzen gibt. Der Verkäufer wollte mir einen viel zu billigen Holzschutzlack verkaufen, der alles andere als umweltfreundlich war. Sorry, aber die Beratung war für mich damit schnell erledigt.

Ein paar Tage später ging ich nochmals in den gleichen Laden und dachte ich probier´s mal bei einem anderen Verkäufer und schau mal, ob ich dann eine andere Antwort bekomme. Ich hatte mich am Abend zuvor online mit dem Sortiment dort beschäftigt und es gab durchaus umweltfreundlichere Alternativen. Ich ging also erneut hin und eine sehr kompetente Verkäuferin verstand sofort, was mir wichtig war und erklärte mir verständlich, welche Produkte dafür infrage kämen. Danke, geht doch!

Ich will damit nur sagen, dass einem je nach Laden und Verkäufer etwas völlig anderes empfohlen wird, als das, was man eigentlich will und zwar obwohl es Alternativen gibt! Lasst euch nicht verunsichern und bleibt standhaft. Man muss keine Biozide oder sonstiges kaufen, nur weil andere davon überzeugt sind. Man kann es auch mit Alternativen probieren. Also: Beraten lassen ja, aber klar formulieren, was man möchte und was nicht. Die Auswahl hält für jeden Bedarf etwas bereit und die Zeiten, in denen man auf Chemiekeulen zurückgreifen muss, sind wirklich vorbei. Vielleicht muss man etwas mehr Pflege in Kauf nehmen. Aber ich finde, dass ist es wert.

Holzlasur Kalkweiß Seidenmatt

Jetzt hab ich aber wieder genug erzählt ; ) Nach langem Überlegen habe ich mich letztlich für folgendes Produkt entschieden: Eine Holzlasur von swingcolor mit dem Blauen Engel.

Hier die wichtigsten Fakten dazu:

  • Produkt: Holzlasur (dünnflüssige Acrylat-Lasur)
  • Farbe: Kalkweiß (9510), Seidenmatt
  • Menge: 2,5 l
  • Preis: 28,95 €
  • Eigenschaften: wetter- und UV-beständig, holzstrukturbetonend, feuchtigkeitsregulierend, offenporig, wasserabweisend, wasserbasierend, leicht zu verarbeiten
  • für alle Laub- und Nadelhölzer
  • Zertifikat: Der Blaue Engel
  • Materialbedarf für 6 Paletten: knapp 5 l, was ca. 50 Euro entspricht
  • gekauft: Bei Bauhaus

Das Produkt hat mich aus mehreren Gründen überzeugt. Zum einen aufgrund des Umweltgütesiegels „Der Blaue Engel“. Es steht im Fall der Lasuren für strenge Anforderungen in Bezug auf bedenkliche Zusatzstoffe, die Reduzierung von Konservierungsstoffen auf ein Minimum und einen geringen Lösemittelgehalt. Zudem ist die Lasur frei von gesundheitsgefährdenden Weichmachern und Biozid.

Zum anderen ging es mir um die Optik. Ich wollte keinen Lack, der die Stempel und Holzmaserung völlig bedeckt und quasi zuklatscht mit Farbe. Stattdessen sollte das Holz zur Geltung kommen und die charakteristischen Stempel bei Europaletten deutlich sichtbar bleiben. Es sollte nicht der Eindruck nach „neu“ entstehen, wie es bei Lacken oft der Fall ist, sondern eine Art Used-Look. Eine kalkweiße Lasur in Seidenmatt schien mir dafür prädestiniert, weil sie das Holz nicht überdeckt wie ein Lack, sondern tief einzieht und die Strukturen durchschimmern lässt. Hinzu kommt, dass mir der Preis im Vergleich zu vielen anderen Produkten, die ich mir angeschaut habe, besser passte.

Doch es ist ja nicht immer alles Gold was glänzt gell ; ) Leider wurde ich während der Streicharbeiten mit Problemen konfrontiert, die ich natürlich nicht unter den Teppich kehren will!

Erhöhter Arbeitsaufwand

Es stellte sich heraus, dass ich die Paletten insgesamt 4 MAL lasieren musste, um das gewünschte Farbergebnis zu erhalten. Hätte mir das jemand vorher gesagt, hätte ich mich warhscheinlich anders entschieden. Das gebe ich gerne zu. Das Ergebnis ist zwar schön und es ist genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber der Zeitaufwand war viel größer als erwartet. Mit vier Anstrichen hatte ich wirklich nicht gerechnet.

Mit einem Lack seid ihr da wesentlich schneller fertig. Ich schätze mal mit einem Anstrich ; ) Die Grundierung darf man aber auch nicht vergessen, die hier eigentlich empfohlen wird. Das war auch mir bewusst, aber ich habe darauf verzichtet. Die Palettenmöbel werden von uns bei Regen abgedeckt, sodass mir eine „wetter- und UV-beständige“ sowie „wasserabweisende“ Lasur reichte. Ich bin kein Profi und manchmal muss man halt einfach machen und weniger denken ; )

Das generelle Problem ist, dass Palettenholz sehr grob ist und extrem viel Lasur schluckt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Das folgende Foto zeigt den Klotz einer Europalette. Man glaubt es kaum, aber die Fläche ist tatsächlich 2 Mal lasiert. Jetzt finde den Fehler!

Das nächste Foto zeigt die Latten einer Palette, die ebenfalls das zweite Mal gestrichen waren:

Obwohl mir der erste Test an einer Palette meine Beschäftigung für die nächsten Wochen prognostizierte, entschied ich mich dafür das Projekt mit der Lasur durchzuziehen. Ich hatte Hoffnung, dass sich die Arbeit lohnen wird und wurde nicht enttäuscht. Aber ich möchte es eben dazu sagen und nichts schönreden. Die Lasur ist gut, aber man darf den Aufwand nicht unterschätzen. 4 Anstriche sind schon übel und meine Geduld war zwischenzeitlich am Ende.

Wenn ihr eine Grundierung und einen Lack nehmt, habt ihr zwei Anstriche. Und selbst das reicht bei Palettenmöbeln schon, da ja jede Palette extrem viele Flächen, schlecht erreichbare Kanten usw. hat. Mir hätte zweimal streichen auch gereicht ; )

Ich biss die Zähne zusammen und legte los. Da wir glücklicherweise einen großen Schopf haben, konnte ich die Paletten alle aufstellen und zügig arbeiten. Zwar ist es bequemer jede Palette einzeln zu streichen und auf einen Tisch oder ähnliches zu legen, aber wenn alle aufgereiht sind, geht es insgesamt schneller und etwas leichter von der Hand.

Bei vier Anstrichen muss man außerdem den Zeitaufwand für die Trocknung rechnen. Jedes Mal muss mindestens 12 Stunden gewartet werden, bis es weiter gehen kann. Diese Zeitspanne ist auch deshalb wichtig, weil man den Farbunterschied erst im getrockneten Zustand sieht. Ich war oft in Versuchung nach wenigen Stunden erneut drüber zu gehen, weil ich irgendwann keine Geduld mehr hatte und einfach fertig werden wollte. Aber ich wartete brav ab.

Die Unterseiten machen besonders viel Arbeit, da man viele Stellen nur umständlich erreicht:

Nicht ohne ist der teilweise krasse Farbunterschied, der sich aufgrund der unterschiedlichen Paletten ergibt. Manche saugten die Lasur regelrecht auf und man sah kaum, dass man überhaupt etwas geschafft hatte. Das war das deprimierendste am Anfang. Bei einem Lack sieht man sofort, wo man gestrichen hat und wo nicht. Bei der Lasur hingegen weniger. Gerade bei der ersten Schicht ist es mir öfter passiert, dass ich nicht mehr wusste, wo ich fertig war. Man sah nichts : ( Das nervte.

Bei anderen Paletten wiederum erkannte man den Unterschied besser. Hinzu kommt der Altersunterschied und die Holzsorten der Paletten. Gerade das folgende Modell hier, hatte dunkleres Holz als alle anderen Paletten und das dekorative Kalkweiß kam schneller zum Vorschein:

Die großflächigen Latten habe ich mir immer bis zum Schluss aufgehoben, weil das am meisten Spaß gemacht hat. Die filigranen seitlichen Flächen und die schlecht erreichbare Unterseite gingen mir irgendwann nur noch auf den Keks.

Beim nächsten Bild seht ihr den Unterschied auch gut. Die vier linken Latten der rechten Europalette sind vier Mal lasiert, die Latte ganz rechts unten im Bild ist nur zweifach bearbeitet. Die andere Palette ganz links ist einmal gestrichen:

Ein weiteres Problem beim Lasieren ergab sich aufgrund der Konsistenz. Lasuren blättern aufgrund ihrer Eigenschaft, tief ins Holz einzudringen, zwar nicht ab, der Nachteil dabei ist aber: Eine solche Dünnschichtlasur hat eine wasserähnliche Konsistenz, was die Verarbeitung erschwert. Ich bin sorgfältig, aber dennoch konnte ich einige Rotznasen (Farbnasen) nicht vermeiden : /

Das Ergebnis

Das Ergebnis sieht nun so aus und ich bin letztendlich trotz der vielen Arbeit zufrieden:

Man sieht die Holzstruktur schön durch…

… und das „Kalkweiß“ sorgt für die von mir gewünschte Optik. So hatte ich es mir vorgestellt. Weiß, aber eben nicht deckend.

Sogar die Palette, die ganz am Anfang extrem mitgenommen aussah, kann sich jetzt sehen lassen:

Zum Vergleich, so sah diese Palette vor dem Schleifen und Lasieren aus:

Fazit zur Holzlasur und Einkaufstipp

Fazit zur Holzlasur von swingcolor: Daumen hoch für Ergebnis, Ökobilanz und Preis, Verarbeitung und Aufwand lassen zu wünschen übrig. Zumindest gilt das im Falle meiner Palettenmöbel.

Für alle, die sich den Zeitaufwand sparen wollen: Kurz nachdem ich mit meinen Paletten fertig war, kamen bei Bauhaus fertig lackierte Paletten (weiß) ins Sortiment. Derzeit werden sie im Onlineshop des Baumarktes für 38,90 Euro angeboten. Schaut euch einfach lokal um, vielleicht gibt´s ja auch in eurer Nähe fix und fertige Paletten, die ihr nur noch hinstellen müsst ; )

Füße befestigen

Bevor die Paletten an ihren neuen Platz wandern konnten, verpassten wir ihnen noch kleine Holzklötze an den Unterseiten. Schließlich soll das Palettenholz nicht direkt auf den Platten aufliegen, um es vor unnötiger Feuchtigkeit und Schmutz von unten zu schützen. Die kleinen Holzklötze, 4 pro Palette, nagelten wir direkt an. Fertig!

Übrigens: Nicht wundern, wir mussten für unsere Lounge zwei Paletten schräg absägen (wie ihr im letzten Bild seht). Das war nötig, weil bei unserem dafür vorgesehenen Platz ein kleiner Vorsprung an der Wand ist und die Palettenmöbel anders nicht hingepasst hätten…

Vorbereitungen abgeschlossen

Nun waren sowohl die Paletten als auch der Platz im Garten startklar für die Einrichtung einer gemütlichen Sitzecke. Durch die Wandverkleidung mit Bambusmatte und die gesäuberten Platten sah das Ganze schon völlig anders aus, als noch vor einigen Wochen. Jetzt fehlen nur noch die Polster und ganz wichtig: Die Dekoration : )

Das Beste kommt immer zum Schluss: Das endgültige Ergebnis zeige ich euch im vierten und letzten Teil zu dieser Beitragsreihe über meine Palettenlounge. Darin präsentiere ich unter anderem die Palettenauflagen, die wir über Amazon gekauft haben. Hierzu können wir eine Kaufempfehlung aussprechen, da wir mit den Polstern sehr zufrieden sind. Doch dazu im nächsten Artikel mehr : )

Bis bald,

eure Gaby

 

Palettenmöbel selber bauen: Tipps & Anregungen für Gartenmöbel aus Paletten – Teil 1

Palettenmöbel selber bauen: Vorbereitungen für Gartenlounge – Teil 2

Palettenmöbel selber bauen Teil 4: Unsere neue Gartenlounge!

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