21.09.16

Wie ich euch im ersten Teil zur Serie „Koffer restaurieren“ berichtet habe, beschäftigte ich mich in den vergangenen Wochen mit zwei alten Koffern. Nachdem ich euch den Holzkoffer schon gezeigt habe, musste ich den Überseekoffer erst noch ordentlich bearbeiten. Jetzt habe ich den großen Koffer endlich fertig umgestaltet. Um das Aus-alt-mach-Neu-Projekt zu verdeutlichen, habe ich wie immer einige Fotos gemacht : )

Überseekoffer aus Kroatien

Dieser alte Koffer stammt ursprünglich aus Kroatien. Er verstaubte dort Jahrzehnte lang auf dem Speicher. Als ich ihn entdeckte, ahnte ich bereits, dass sich daraus ein tolles Stück machen lässt. Wie ich bei Recherchen bei eBay Kleinanzeigen erfuhr, wird diese Koffer-Variante auch gerne als Überseekoffer bezeichnet. Netter Name für ein historisches Accessoire : )

Wie ihr seht, war der Koffer ein wenig in Mitleidenschaft gezogen. Schmutz und Feuchtigkeit hatten ihre Spuren hinterlassen. 

Bevor ich mich ans Malen machen konnte, musste zunächst der Dreck runter. Also habe ich mit mildem Seifenwasser gründlich geschrubbt und gebürstet. Anschließend durfte das gute Objekt trocknen. 

Im nächsten Schritt wurden alle Beschläge mit Drahtbürste gereinigt und anschließend mit Rost-Umwandler behandelt. Was das Zeug kann und warum der Einsatz so wichtig ist, erfahrt in in diesem Beitrag. Falls ihr den hier verwendeten Entroster direkt bestellen wollt, könnt ihr ihn

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Ein neuer Look für den Überseekoffer

Zunächst stellte ich mir die Frage, welche Farbe ich für den Koffer nehmen könnte. Diese Entscheidung war gar nicht so leicht. Da er aus einer Art Pappmaché mit hoher Stabilität gefertigt ist, dachte ich mir, dass das eigentlich mit einer hochwertigen Wandfarbe gehen müsste. Denn Tapeten bestehen ja schließlich auch zum Teil aus Papier, wie Pappmaché, sodass ich mir ziemlich sicher war, dass die Farbe hält. Ich sollte damit auch recht behalten. Die Farbe hat sich nicht nur super verarbeiten lassen, sie sieht auch klasse aus und hält zuverlässig. Der Koffer ist nun seit einigen Wochen fertig und bislang habe ich keine Macken feststellen können.

Wichtig ist natürlich trotzdem, dass ihr eine Farbe mit möglichst wenig bis keinen Schadstoffen einsetzt. Ich habe die Schöner Wohnen Polarweiss Farbe eingesetzt und mit etwas brauner Abtönfarbe einen sanften Creme-Ton gemischt. Über Amazon könnt ihr die beiden Produkte direkt kaufen:

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Es gibt sie aber auch im stationären Fachhandel. Das Polarweiss ist mit dem Blauen Engel zertifiziert. Welche Vorteile die Farbe außerdem hat, erfahrt ihr in diesem Artikel von mir zum Thema Schlafzimmer gestalten.

Ich begann also alle dunklen Stellen des Koffers mit der cremefarbenen Farbe zu streichen.

Zunächst grundierte ich die Flächen, in dem ich in eine Richtung von links nach rechts und umgekehrt strich. Anschließend lies ich sie einige Minuten antrocknen. Doch bevor sie richtig durchtrocknen konnte, nahm ich nochmals etwas Farbe auf den Pinsel und begann die grundierten Stellen vorsichtig zu tupfen. Das war mir wichtig, weil man auf den Flächen ansonsten die Pinselstriche stark gesehen hätte und das wirkt weniger dekorativ. Auf folgendem Bild könnt ihr den Unterschied hoffentlich einigermaßen erkennen. Oberhalb die grundierte Fläche und weiter unten im Bild seht ihr ein Stück, das bereits getupft ist:

Der Pinsel eignete sich dafür hervorragend, weil er rund und sehr weich ist. Ich hielt ihn gerade, um die Tupfen gleichmäßig hinzubekommen. Falls ihr das mal nachmachen solltet: Beim Tupfen schön sachte vorgehen. Wenn man zu stark drückt, kommt der dunkle Untergrund wieder zu sehr zum Vorschein.

Um zu gewährleisten, dass die Pinselstriche nie dauerhaft bleiben, sondern durch die Tupf-Technik ersetzt werden, strich ich immer nur eine kleine Fläche nach der anderen. Dank der Tupferei entstand eine schöne Struktur.

Anschließend durfte die erste Seite in Ruhe trocknen, bevor ich weitermachte. Bereits an dieser Stelle war ich mir endgültig sicher, dass es eine gute Entscheidung war den Koffer hell zu streichen. Er wirkt gleich viel freundlicher.

Einige Tage später ging es weiter mit dem Deckel. Auch wieder gleiches Spiel.

An der Rückseite klebte ich die schwarzen dünnen Kunststoff-Streifen mit Kreppband ab, um saubere Kanten zu erzielen.

Holzstreben streichen

Nachdem der erste Schritt erledigt und alle dunklen Stellen des Koffers bearbeitet waren, nahm ich mir die Holzstreben vor. Um ein stimmiges Gesamtbild zu erzielen, entschied ich mich für Grau. Ein kleiner Borstenpinsel war mein Helfer.

Während ich bei einigen Holzstreben das Glück hatte, dass sie mit einer ausreichenden Lücke befestigt waren, sodass ich Zeitungspapier zum Abdecken darunter schieben konnte, musste ich anderweitig besonders aufpassen. Dort wo ich kein Papier zum Abdecken nutzen konnte, wollte ich ungern Kreppband befestigen, um die frische Farbschicht zu schonen. Deshalb trug ich die graue Farbe freihand auf. Mit etwas Geduld geht auch das ; )

Das Ergebnis: Überseekoffer im Vintage-Look

Mit dem Ergebnis bin ich super zufrieden. Es war relativ viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt. Entstanden ist ein Koffer mit Vintage-Charme : )

Die Kombination aus Creme und Grau passt und die dunklen Beschläge bilden einen hübschen Kontrast.  Der Koffer ist nun fast nicht mehr wieder zu erkennen. Und wenn ich es mir recht überlege, ist er auch fast zu schön, um nicht damit zu verreisen : )

Ich stelle mir vor, wie ihn der Großvater meines Partners früher genutzt hat, um seine 7-Sachen von A nach B zu transportieren.

Alte Dinge haben eine Geschichte und genau das ist es, was mich an ihnen fasziniert. Sobald man sie zu neuem Leben erweckt, erzählen sie ihre Version, nur eben noch attraktiver als vorher ; )

Und das Beste an der ganzen Sache ist, dass solche Oldtimer nicht nur schick aussehen, sondern gleichzeitig noch praktisch sind. Wir verwenden diesen zum Beispiel zum Aufbewahren unserer Reisetaschen. Passend oder? 

Die haben darin ohne Weiteres Platz und sind so ideal aufgehoben.

Ein neues Accessoire für´s Schlafzimmer

Der neue alte Koffer hat inzwischen ein tolles Plätzchen auf unserem Schlafzimmerschrank.

Arrangiert mit Efeu gefällt mir das gute Stück noch besser.

Das Einzige, was jetzt noch angepasst werden muss, ist der Schrank ; ) Und da wären wir schon beim nächsten Projekt. Denn dieser Schrank ist zwar in seiner Form genau mein Ding, aber farblich überhaupt nicht mehr. Er wird früher oder später ebenfalls weiß. Aber das kann noch Jahre dauern : ) Denn bis es soweit ist, stehen noch einige andere DIY-Projekte auf meinem Zettel : D

Aber eines nach dem anderen. Jetzt genieße ich erst einmal den Anblick des charakteristischen Überseekoffers, der den Schrank nicht besser perfektionieren könnte : ) Finde ich zumindest. 

Und ich würde mal behaupten, dass der Vorher-Nachher-Vergleich besonders verdeutlicht, welchen positiven Effekt man mit etwas Farbe, Geduld und Zeit erzielen kann.

Mich macht es jedes Mal aufs Neue glücklich, wenn ich wieder ein DIY-Projekt abgeschlossen habe und das Ergebnis meiner Arbeit sehe. Das tut gut und ist einfach ein klasse Gefühl : ) Beim Werkeln kann man super abschalten und sich vertiefen. Ich kann nur jedem empfehlen es mal auszuprobieren.

Falls euch dieses Projekt gefallen hat, solltet ihr mal in den folgenden Beiträgen stöbern. Hier findet ihr weitere kreative Anregungen:

Wünsche euch viel Spaß beim Werkeln : )

 

2 Kommentare für “Koffer umgestalten – Variante 2 Überseekoffer”

  1. Ingmar Boos

    Sicherlich viel Arbeit, nur leider geht somit der originale Charme des Koffers vollständig verloren.
    Eher im Bereich „Schöner Wohnen“ anzusiedeln, als im Bereich Restauration, wobei man versucht, das Ursprüngliche zu bewahren.
    Mir tut’s ehrlich gesagt um den schönen Koffer leid. Aber jeder hat einen eignenen Geschmack und über den lässt sich bekanntlich streiten.

  2. Hallo Ingmar,

    zwecks Restauration hast du im Grunde recht. Die Überschrift ist noch von Teil 1 quasi „hängengeblieben“. Es handelt sich hier um eine Umgestaltung. Ich werde das anpassen. Ansonsten ist es, wie du auch geschrieben hast, Geschmacksache. Mir gefällt er so deutlich besser. Der originale Charme hat mir nicht zugesagt, deshalb die Umgestaltung ; )

    Und streiten wollen wir hier sicherlich nicht. Jeder macht das draus, was er mag.

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