20.12.16

Ich habe kürzlich den mehrfach prämierten Möbel-Konfigurator form.bar im Internet entdeckt. Dieser erlaubt es individuelle Möbel nach Maß zu designen, die mit modernsten Produktionstechnologien gefertigt werden. In meinem Interview mit Gründer Alessandro Quaranta erfahrt ihr alles Wissenswerte rund um das Unternehmen und die außergewöhnlichen Möbelstücke.

Bei form.bar handelt es sich um einen innovativen Möbel-Konfigurator, der es erlaubt, Regale, Sideboards und vieles mehr exakt an eure Wünsche anzupassen. Online könnt ihr diverse Möbelstücke formen, farblich gestalten und individuell anpassen. Das Unternehmen lässt dabei ressourcenschonend fertigen und greift ausschließlich auf robuste Holzwerkstoffe zurück. Besonders interessant ist die Tatsache, dass weder Klebstoffe und Leim noch Schrauben oder Werkzeuge benötigt werden, um die Möbel aufzubauen. Ein ausgeklügeltes Stecksystem macht das möglich. Produziert wird in einer fachkundigen Schreinerei in Kundennähe, um unnötige Transporte zu vermeiden.

Ich habe mich lange auf der Internetpräsenz des Unternehmens aufgehalten und recherchiert. Mich hat das Konzept rundum überzeugt, da es nicht nur den hohen Ansprüchen in Sachen Ökologie gerecht wird, sondern auch einen kreativen Lifestyle fördert. Möbel, die nicht aussehen wie „von der Stange“ sondern genau meinen Vorstellungen entsprechen? Kunstvolle Formen, einzigartige Linienführung und unverwechselbare Optiken? Besser geht´s eigentlich nicht.

Verantwortlich für form.bar ist übrigens das Startup Okinlab GmbH mit Sitz in Saarbrücken. Ich habe einen der Gründer Alessandro Quaranta um ein Interview gebeten und freue mich, dass er sich die Zeit genommen hat, um meine Fragen ausführlich zu beantworten. Nachfolgend erfahrt ihr viel Wissenswertes rund um form.bar! Viel Spaß beim Lesen : )

Damit ihr euch zuvor einen Eindruck darüber verschaffen könnt, was form.bar überhaupt ist und was dahinter steckt, habe ich euch ein Video integriert, welches das Konzept schnell und verständlich erklärt:

Das Interview

1.) Herr Quaranta, Sie sind einer der Gründer der Okinlab GmbH, dem Unternehmen hinter dem innovativen Möbel-Konfigurator „form.bar“. Bitte erzählen Sie meinen Lesern zunächst etwas mehr zu Ihrem Werdegang und der Entstehungsgeschichte von Okinlab.

Okinlab, das Laboratorium für Architektur und Design wurde von Nikolas Feth und mir gegründet. Wir waren schon in der Schule befreundet und haben uns während unserer Studienzeit oft über die spannenden Möglichkeiten unterhalten, die durch die Verbindung von Architektur und IT entstehen. Ich selbst habe an der Universität des Saarlandes und der Università degli Studi di Siena Managerial Economics studiert und mich im Bereich Medien- und IT-Management spezialisiert. Darüber hinaus war ich Dozent für Business Simulations und Referent im Technologietransfer an Hochschulen, insbesondere im IT-Gründungsbereich. Als Student habe ich mein erstes Unternehmen gegründet und begleite auch heute noch als Coach und Gründungsbotschafter des Saarlandes diverse Startups.

2.)  Laut der Internetpräsenz www.form.bar sind neben Projekten und Technologien auch mehrere Studien Basis von Okinlab. Welche Art von Studien kann man sich darunter vorstellen und beeinflussten diese auch die Erfindung des Möbel-Konfigurators?

Nikolas Feth hat an der HTW Saarland im Bereich Architektur geforscht und gelehrt. Dabei hat er sich insbesondere mit komplexen Strukturen, deren möglichst einfachen Umsetzung sowie der Übertragung von Effizienzpotentialen aus der Natur auf unsere Produkte und Prozesse beschäftigt.

3.)  Wie der Name des Konfigurators form.bar vermuten lässt, sind eure Möbel tatsächlich formbar. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Möbel mit flexiblen Formen anzubieten und einen Konfigurator zu entwickeln? Gab es einen Schlüsselmoment, der zur „Erfindung“ beigetragen hat?

Die Idee zu form.bar entstand durch das erste gemeinsame Projekt von Niko und mir. Für ein Ladenlokal haben wir ein frei geformtes Regalsystem realisiert, das sowohl aus funktionalen als auch ästhetischen Gesichtspunkten für große Begeisterung gesorgt hat. Dabei haben wir aber auch entdeckt, welches Potential in den CNC-Maschinen der Schreiner steckt. Der Fräse ist es egal, ob sie gerade oder runde Teile fräsen soll, sie muss nur korrekt programmiert werden. Und genau das machen wir mit form.bar auf eine weltweit einzigartige Art und Weise. So vernetzen wir die individuellen Möbelwünsche direkt mit regionalen Schreinern und ermöglichen Möbel nach Maß zu bezahlbaren Preisen.

4.) Der form.bar Möbel-Konfigurator ist preisgekrönt. Wie viel Zeit hat es gekostet diesen zu erstellen und welches Geheimnis steckt hinter dem einzigartigen System inklusive 3D-Animation?

Wir haben über zwei Jahre an unserem Konfigurator entwickelt, um jedes selbst designte Möbel der Kunden auch genauso umsetzen zu können. Die Herausforderung war alles in Echtzeit und im Web verfügbar zu machen. Die freie Verformbarkeit der Designer-Regale unter Berücksichtigung der Fertigungsspezifikationen sowie die realistische 3D-Darstellung sind nämlich sehr rechenintensiv. Wir entwickeln unseren Möbel-Konfigurator natürlich kontinuierlich weiter, um unseren Kunden auf www.form.bar noch mehr Spielraum in der Individualisierung der Möbel zu geben, sodass der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind.

5.) Mit Ihrer Online-Anwendung form.bar haben Sie gemeinsam mit Ihrem Geschäftspartner und Mitgründer von Okinlab Nikolas Feth bereits viele Auszeichnungen erhalten und wurden mehrfach prämiert sowie zertifiziert. Neben dem Hauptpreis IKT Innovativ, der im Rahmen der CeBIT 2014 verliehen wurde, habt ihr die Auszeichnung „Kultur- und Kreativpiloten“ der Bundesregierung gewonnen und konntet mit eurer Software als Gesamtsieger aus der 3. Software-Cluster-Innovationsbörse – CyberForum hervorgehen. Zudem gehört ihr zu den Finalisten des Deutschen Gründerpreises 2016 in der Kategorie StartUp. Habt ihr mit diesem Erfolg gerechnet?

Wir haben von Anfang an die Idee geglaubt und das riesige Potenzial in der Individualisierbarkeit von Möbeln gesehen, die aufgrund der innovativen Technik nicht nur bezahlbar sind sondern zudem von regionalen Schreiner in qualitativ hochwertiger Arbeit gefertigt werden können. Die Auszeichnungen und insbesondere die überwältigenden Rückmeldungen der User sind für uns etwas ganz Besonderes. Wir ahnten dass der Zeitpunkt für die Idee genau richtig ist, aber dass wir in so kurzer Zeit so viele Preise bekommen, das war schon auch mehr als wir gedacht hätten. Es freut uns, dass die Arbeit unseres gesamten Teams auf diese Weise gewürdigt wird, was uns umso mehr ermutigt, form.bar weiterzuentwickeln.

6.) Das Sortiment von form.bar reicht derzeit von Lowboards über Kommoden und Weinregale bis hin zu TV-Schränken und Badmöbeln. Lorenzo, Strada Porta, Semichiusi und Co. Eure Möbel haben nicht nur ausgefallene Namen, sondern auch kreative Formen. Wer entwickelt die Designs und wovon lasst ihr euch zu den Entwürfen inspirieren? 

Bei form.bar designt jeder Kunde selbst sein Traummöbel, das ist das Besondere. Ganz einfach online in 3D und ohne Fachkenntnisse besitzen zu müssen. Es beginnt mit einer Idee oder einem konkreten Bedarf Zuhause. Unser Designer-Team hilft den Kunden natürlich dabei, indem es in jeder Möbelkategorie, wie etwa Regale nach Maß, Sideboards, TV-Möbel oder Sitzbänke, Grundmodelle entwirft, die den Usern dann wiederum als Vorlage dienen und individuell konfiguriert werden können. Unsere Formen orientieren sich dabei oft an der Natur, in der sich ja nahezu jeder wohl fühlt. So entstehen organische Möbel aber auch kantige Linien, wie z.B. die Silhouette einer Bergkette. Aber eben ganz individuell wählbar, je nach Geschmack des Anwenders und Bedarf im Wohnbereich.

7.) Das Thema Nachhaltigkeit liegt euch am Herzen, wie man auf eurer Internetseite nachlesen kann. Welche alternativen Wege habt ihr gewählt, um den zunehmenden Kundenansprüchen dahingehend gerecht zu werden?

Das ist richtig, das Thema Nachhaltigkeit liegt uns sehr am Herzen. Schon bei der Auswahl unserer Zulieferer achten wir auf umweltschonende und zertifizierte Abläufe. Außerdem verzichten wir konsequent auf Schadstoffe oder ernergieintensieve Stahlteile. Unsere Möbel bestehen ausschließlich aus Holzwerkstoffen. Dazu werden vor der Produktion eines Möbels die Fertigungsdaten ressourcensparend angeordnet, sodass man ein optimiertes Schnittmuster erhält, das während des Fertigungsprozesses einen Minimalanteil an Verschnitt beim Schreiner auslöst. Da wir möglichst im ganzen Prozess die Umwelt schonen möchten, werden unsere Möbel auch bei einem Schreiner in Kundennähe produziert, um somit lange Wege bei der Lieferung zu sparen. Außerdem kann mit form.bar jeder sein Regal an seine Raumsituation und seine Bedürfnisse optimal anpassen. Brauche ich mehr Abstellfläche, ziehe ich das Regal in die Tiefe, möchte ich mehr von meinem Raum haben und besitze z.B. überwiegend Taschenbücher, die weniger als 20 cm Regaltiefe benötigen, so drücke ich mein Regal an der Stelle nach innen. So wird nur dort Material eingesetzt wo es auch gebraucht und keine unnötige Fläche verschenkt.

8.) Warum habt ihr euch für Birkenholz entschieden und wo wachsen die Bäume für eure Möbel?

Wir setzen auf äußerst robuste finnische Holzwerkstoffe mit diversen hochwertigen Oberflächenvariationen. Das Holz der finnischen Birke zeichnet sich besonders durch seine Widerstandsfähigkeit aus und ist der ideale Holzwerkstoff für jedes Möbelstück. Unser Premium-Werkstoff überzeugt durch seine ganz spezielle Multiplex-Optik.

9.) form.bar-Möbel kommen durch ein ausgeklügeltes Stecksystem ohne Schrauben und Klebstoffe aus und sogar auf Werkzeuge zum Aufbau kann vollständig verzichtet werden. Ideal für alle, die auf Wohngifte und emissionsintensive Materialien verzichten wollen. Wie gewährleistet ihr, dass euer Stecksystem ausreihend Stabilität bietet?

Durch unser Stecksystem passen die Einzelteile der Möbel genau ineinander. Die Teile werden millimetergenau gefräst sodass dadurch eine hohe Stabilität gewährleistet wird. Darüber hinaus werden bei jedem Möbel auch Aussteifungselemente aus dem gleichen Material mitgeliefert.

10.) Kritische Leser werden fragen, welche Art von Leim zur Herstellung der Furniersperrhölzer unter form.bar zum Einsatz kommen, da auch damit leider immer häufiger Wohngifte in die Läden wandern. Achten Sie auch hier auf die Verwendung unbedenklicher Substanzen?

Ja, die Materialien liegen allesamt unter der vorgeschriebenen Norm. Auch sind alle von unseren Partnern verarbeiteten Werkstoffe FSC-zertifiziert. Das vorrangige Ziel des FSC ist es, eine umweltgerechte, sozialverträgliche und wirtschaftlich tragfähige Bewirtschaftung der Wälder zu fördern.

11.) Um kurze Lieferzeiten zu garantieren und den gesamten Fertigungsprozess effizienter zu gestalten, arbeitet ihr mit deutschen Schreinern zusammen. Mit wie vielen Werkstätten kooperiert ihr derzeit und wie werden diese ausgewählt?

Derzeit kooperieren wir mit fast 20 Schreinereien. Diese werden ausgewählt nach Standort, der Nähe zum Kunden und der notwendigen technische Ausstattung zum Fräsen der Möbelunikate. Darüber hinaus müssen unsere Partnerschreinereien natürlich auch unsere Qualitäts-Standards erfüllen.

12.) Wie gewährleistet ihr hinsichtlich mehrerer Schreinerwerkstätten, dass eure Möbel immer die gleiche Qualität aufweisen?

Die Daten für die Möbelunikate werden von unserer Software automatisiert erstellt und beim Schreiner mittel CNC-Technik ausgefräst. D.h. das hierbei keinen Abweichungen entstehen können. Für die Veredelung der Materialien haben wir genaue Qualitätsvorgaben sowie eine Qualitätskontrolle, die für unsere Schreiner verbindlich sind.

13.)  Wie lange dauert es im Schnitt, bis ein Möbelstück von form.bar fertig ist?

Der Fertigungsprozess eines form.bar Möbels im Schnitt 4 Wochen.

14.)  Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie momentan, um der Nachfrage gerecht zu werden?

Momentan besteht unser Team aus 13 Mitarbeitern, aus den Bereichen Architektur, IT, Produktdesign und BWL.

15.) Herr Quaranta, abschließend möchte ich Sie fragen, wie Ihre Zukunftspläne aussehen. Haben Sie für den Möbel-Konfigurator form.bar weitere Ideen oder möglichweise schon die nächste Geschäftsidee im Sinn?

Wir möchten unser Schreinernetzwerk kontinuierlich ausbauen und somit möglichst nah beim Kunden fertigen. www.form.bar soll die erste Adresse für individuell und frei formbare Möbel nach Maß werden. Wir setzen uns dafür ein, dass den Menschen der Zugang zu den neuesten Produktionstechnologien direkt eröffnet wird und man somit dem eigenen Lebensentwurf eine Form geben kann. Wir entwickeln unsere Software kontinuierlich weiter und ergänzen nützliche Features, wie z.B. flexible Schubkästen. Wir möchten auch neu aufkommende technische Möglichkeiten in 3D nutzen und neue Produkte implementieren….lasst euch überraschen.

Fazit

Ich finde die Philosophie von form.bar sehr positiv und mich persönlich begeistert die Flexibilität, die unser Mobiliar dadurch erhält. Aber auch die ökologischen Ansprüche, die das Unternehmen an sich selbst hat, sind für mich wichtige Faktoren. Gleichzeitig kommen für die Gesundheit unbedenkliche Rohstoffe zum Einsatz und regionale Schreiner werden gefördert. Ich denke, dass euch das Interview viele nützliche Hintergrundinformationen aus erster Hand liefert und wünsche euch viel Spaß beim Entdecken von form.bar.

Zu guter Letzt noch zwei Fotos von zwei bereits realisierten Kundenprojekten, damit ihr mal sehen könnt, was so alles möglich ist:

Zudem an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an Herrn Quaranta für seine Zeit : )

Euch wünsche ich nun ein tolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Ich verabschiede mich hiermit in den wohlverdienten Winterurlaub : )

Lasst es euch gut gehen,

Gaby

 

 

Profil Alessandro Quaranta

Alessandro Quaranta ist neben Nikolas Feth einer der beiden Gründer der okinlab GmbH. Er studierte Betriebswirtschaftslehre und spezialisierte sich an der Universität des Saarlandes (UdS) in den Bereichen Prozess-, Strategie- und IT-Beratung. Zwischen 2009 und 2012 war er Dozent an der UdS. Erste Erfahrungen als Selbstständiger sammelte er im Modebusiness. Bei einem Auftrag entstand eher zufällig die Idee zu Okinlab. Diplom-Kaufmann Quaranta entwickelte anschließend gemeinsam mit Feth die Idee zur Webanwendung form.bar.

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